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Virtuelles Gedenkbuch
Gedenkstätte Moringen

1921-1942

Inhaltswarnung:
ableistische Sprache| Gewalt | Selbstverletztung

 

Biografische Daten

Geboren am 03. Oktober 1921 in Hamburg.

Gestorben am 27. Juli 1942 in der Universitätsklinik Göttingen.

Herbert wurde 20 Jahre alt.

Er wurde auf dem Friedhof Moringen begraben, später jedoch auf Wunsch seiner Mutter umgebettet. heute liegt er auf dem Friedhof in Hamburg begraben - in Moringen erinnert ein Gedenkstein an ihn.

Biogramm

 Herbert Lindthammer lebte mit seiner Mutter, Martha Wagner, in Hamburg. Aus verschiedenen Dokumenten von ihr lässt sich der Lebensweg von ihrem Sohn nachvollziehen und beschreiben. Als Kleinkind war Herbert viel im Krankenhaus, weil er Probleme mit seiner Lunge hatte und häufig krank war. Zudem beschrieb seine Mutter ihn als „geistig zurückgeblieben“. 

Herbert besuchte die Volksschule, die für die allgemeine Bildung der Kinder und das Eingliedern in die Ideologie des Nationalsozialismus diente. Der Junge wechselte dann auf eine Hilfsschule, auf die Kinder geschickt wurden, die als „nicht fähig“ galten durch zum Beispiel eine Erkrankung, sodass sie nicht ins System passten. Mit 14 Jahren wurde er dort jedoch entlassen. Seine Mutter sorgte dafür, dass er eine Stelle als Bote bekam, aber diese verlor er schnell wieder, da er die Arbeit langsam verrichtete. Mit 16 oder 17 Jahren musste Herbert für ein halbes Jahr nach Farmsen in ein „Versorgungsheim“, in das arme, pflegebedürftige, psychisch kranke und alte Menschen eingeliefert wurden. Danach arbeitete er eine Zeit lang in Billbrook, aber verlor auch diese Stelle.

 In Folge dessen geriet Herbert, laut seiner Mutter, in schlechte Gesellschaft und beging mehrere Diebstählen mit drei weiteren Jungs. Aus verschiedenen Akten lässt sich entnehmen, dass er zu diesen angestiftet worden war, aber welche Absichten Herbert verfolgte, lässt sich nicht nachvollziehen. Zusammen begingen die Jungen verschiedene Diebstähle und stahlen etwa Obst vom Markt und Kleidung aus einem Geschäft. Seine Mutter erwähnte jedoch nicht alle Diebstähle, sodass es möglich ist, dass Herbert ihr einige Dinge verschwiegen hatte, die in verschiedenen Dokumenten der damaligen Staatsjustiz detailliert auftauchten.

 Herbert wurde zu 21 Monaten Jugendarrest verurteilt und sollte diesen im Arbeitserziehungslager Güstrow verbringen. Das Lager wurde im Jahr 1942 aufgelöst, sodass Herbert am 6. Juni 1942 im Alter von 21 Jahren nach Moringen in das Jugend-Konzentrationslager kam.

Martha Wagner war davon überzeugt, dass ihrem Sohn dort Misshandlungen widerfuhren, die ihn dann im Jahr 1942 in den Tod trieben. Der Tod von Herbert Lindthammer wurde von der SS und dem Polizeigericht als „Selbstmordversuch“ beschrieben. Er stürzte aus einem fahrenden Zug und erlitt schwere Schädel- und Lungenverletzungen. Durch die Folgen verstarb Herbert am 27. Juli 1942 in der Universitätsklinik Göttingen.

 Ob es sich wirklich um einen Selbstmordversuch handelte, lässt sich aus den gegebenen Quellen nicht herausfinden. Wegen des Todes ihres Sohnes stellte Martha Wagner 1957 einen Wiedergutmachungsantrag auf eine Hinterbliebenenrente. Sie begründete den Antrag mit der kognitive Beeinträchtigungen ihres Sohnes, seinem schwierigen Leben und damit, dass Herbert misshandelt worden sei.
Der Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, es habe keine Gewaltmaßnahmen gegen ihn gegeben. Herbert Lindthammer sei wegen seiner „Arbeitsscheu“ und Straffälligkeit eingewiesen worden. Als „arbeitsscheu“ wurden im Nationalsozialismus Menschen beschrieben, die durch ihr Verhalten nicht in das System passten und somit als „asozial“ galten.

Anders als bei anderen Gräbern forderte die Mutter nach dem Tod ihres Sohnes die Exhumierung der Leiche. Das bedeutet, sie wurde ausgegraben. Martha Wagner ließ die sterblichen Überreste in Hannover einäschern, um seine Urne in dem Grab ihres Mannes in Hamburg-Billstedt beizusetzen.

 

verfasst von L. S. H., 2025

 

Quellen

 

Staatsarchiv Hamburg, 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), Nr. 20082 - Wagner, Martha Hermine Cicilie (verw. Lindthammer) – 1957-1959.
Bundesarchiv, R 3001-138226 (Strafsache).
ITS Digital Archive, Arolsen Archives, Lagerbuch Jugend-KZ Moringen, [1.2.2.1 Listenmat_ PP_Ordner_304_Blatt_5-101 / [11338619#1].
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen.

Dokumente

 

Medien

 Martha Wagner am Grab ihres Sohnes Herbert (Zeichnung nach einem Foto, Laura Braß, 2025)

 

 

 

 

 



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