1929-1945
Biografische Daten
- am 23. Juni 1929 in Warschau geboren
- nach der Besetzung Polens durch die deutsche Armee Mitglied der Armia Krajowa
- kämpfte 1944 im "Warschauer Aufstand" gegen die deutschen Besatzungstruppen
- wird im Jugend-KZ Moringen interniert
Das Grab von Jan Jezierski liegt zentral auf dem Gräberfeld 4 und hebt sich von den anderen ab. Sein Grabstein ist noch der Orginalstein aus dem Jahr 1945. Das Grab dient uns als Quelle für seinen Tod. Aber über sein Leben haben wir wenige Quellen.
Geboren wurde Jan am 23. Juni 1929 in Warschau. Dort besuchte er die Schule und zumindest für den Beginn des Schuljahrs 1943/44 die Handelsschule in Warschau. Im Oktober 1944 begann der Warschauer Aufstand. Polnische „Armeen“ wie die Heimatarmee und andere Truppen versuchten die deutsche Besatzung zu vertreiben. In der Heimatarmee kämpften auch Pfadfinder und Jugendliche mit. Auch Jan wurde ein Teil des Widerstands gegen die Besatzung. Der Aufstand wurde im Oktober 1944 niedergeschlagen und die meisten Kämpfer*innen kamen als Kriegsgefangene nach Deutschland. Wie viele weitere wurde auch Jan nach Fallingbostel in das Strafgefangenenlager (Stalag XIB Fallingbostel) gebracht. Spätestens im Lager traf er zwei weitere polnische jugendliche Kriegsgefangene. Auch sie waren am Warschauer Aufstand beteiligt gewesen. Die drei versuchten zwei Mal gemeinsam zu fliehen. Beide Pläne scheiterten und beim zweiten Versuch wurden sie statt zurück nach Fallingbostel in das Jugend-KZ Moringen gebracht.
So kamen Jan Jezierski, Alojzy Bladwoski und Jerzy Zięborak ins KZ nach Moringen. In Moringen wurden sie zusammen mit kranken KZ-Häftlingen zurückgelassen und gingen nicht auf den Todesmarsch Richtung Harz als das Lager Anfang April 1945 geräumt wurde. Die drei erlebten die Befreiung in Moringen mit. Die amerikanischen Truppen wussten das Moringer Konzentrationslager aber nicht recht einzuordnen, da es im Vergleich zu anderen, größeren Konzentrationslagern nur klein war. Also organisierten die drei viel selbst. Das Gelände des ehemaligen Konzentrationslageragers wurde zu einem Camp für sogenannte Displaced Persons und war schon bald voll belegt. Unter anderem fanden die befreiten Zwangsarbeitenden der Stadt auf dem Gelände Platz. Jerzy berichtet später von der ersten Zeit im Camp, in der sie selbst die Versorgung organisierten und ein Lazarett einrichteten, in dem sie sich um die vielen Kranken kümmerten. Auch versuchten sie die Versorgung des Lagers sicher zu stellen. So gingen sie zum Bürgermeister und verlangen Unterstützung. Aufgrund der vielen polnischen Menschen, so erzählt er, nannten sie es später selbst „Polish Camp“.
Jan verstarb am 23. Mai 1945 nach nur 44 Tagen in Freiheit an zu viel und zu schnellem Essen nach dieser langen Zeit der Entbehrung – sein Körper konnte die Nahrung nicht verarbeiten. Er wurde auf dem Friedhof in Moringen mit einem Grabstein bestattet.
Durch Jans Freund Jerzy haben wir persönliche Erzählungen zu der Zeit. Denn Jerzy überlebte seine Gefangenschaft und zog nach dem Krieg zurück nach Warschau. Er setzte sich für das Erinnern ein und erzählte oft seine und auch Jans Geschichte. Bis zu seinem Tod im Jahr 2017 besuchte er wiederholt Moringen und legte Blumen am Grab seines Freundes nieder.
