1924-1943
Inhaltswarnung:
Gewalt | Selbstverletztung
Gewalt | Selbstverletztung
Geboren am 9. Juli 1924 in Duisburg-Hamborn.
Gestorben am 3. November 1943 im Universitätsklinikum in Göttingen.
Johann wurde 19 Jahre alt.
Für Johanns Nachnamen haben wir in den Quellen verschiedene Schreibweisen gefunden: Groß, Gros, Gross.
Biogramm
Johann Groß wurde am 9. Juli 1924 in Duisburg-Hamborn geboren. Er war das älteste von vier Kindern. Sein Vater Johann war Bergmann, der jedoch frühzeitig wegen Krankheit oder Verletzung aus dem Beruf ausscheiden musste. Die Mutter, Magdalena Groß, führte mit den Kindern kein einfaches Leben in finanziell schwierigen und beengten Verhältnissen: Sechs Personen lebten in zwei kleinen Zimmern, die nur mit drei Betten ausgestattet waren.
Johann besuchte ab seinem sechsten Lebensjahr die Volksschule. Im dritten Schuljahr musste er eine Klasse wiederholen, war insgesamt aber ein durchschnittlicher Schüler. Mit 14 Jahren verließ. er die Schule und fand zunächst Arbeit bei einem Bäcker, für den er Backwaren auslieferte. Bald wechselte er zur Zeche Neumühl in Duisburg, wo er als Jungbergmann beschäftigt war. Doch die Arbeit bereitete ihm Schwierigkeiten: Er blieb den Schichten fern und lief immer wieder von Zuhause weg.
Sein ausgeprägter Freiheitsdrang führte dazu, dass er häufiger ziellos umherzog und bei Bekannten, im Freien oder in Ställen und Scheunen übernachtete. Trotz wiederholter Ermahnungen durch das Jugendamt und die Zechenverwaltung änderte sich sein Verhalten nicht. Die Eltern gaben an, keine „erzieherische Gewalt“ mehr über ihn zu haben. Im Frühjahr 1939 verließ. Johann das Elternhaus erneut ohne Absprache. Auf dem Weg ins Saargebiet, wo er eine Verwandte besuchen wollte, stahl er in Düsseldorf ein Fahrrad. Kurz darauf wurde er in Cochem festgenommen und nach Duisburg zurückgebracht. Nach weiteren Rückfällen stellte das Jugendamt am 22. November 1940 den Antrag auf Einweisung in die Fürsorgeerziehung. Wenige Tage zuvor hatte Johann in Duisburg mehrere Einbruchsdiebstähle begangen und erneut ein Fahrrad entwendet.
Am 29. November 1940 wurde er vorläufig in die Fürsorgeerziehung überstellt. Nach Aufenthalten in mehreren Einrichtungen, wie dem Provinzial- Erziehungsheim Solingen und Straf- und Jugendgefängnis Wittlich erklärten ihn die Behörden für „nicht erziehungsfähig“ und im Januar 1943 wurde entschieden, ihn dauerhaft unterzubringen. Am 17. Februar 1943 kam er in das Jugend-KZ Moringen, wo er die Häftlingsnummer 856 erhielt.
Über seinen Aufenthalt dort gibt es kaum gesicherte Informationen. In Briefen an seine Familie klagte er über Heimweh und den Wunsch, wieder nach Hause zu dürfen. Ende 1943 nahm sich Johann Groß das Leben, indem er Glasscherben verschluckte. Er wurde in die Universitätsklinik in Göttingen eingeliefert, wo er am 3. November 1943 an starken Blutungen verstarb. Seine Familie wurde erst nachträglich informiert. In der offiziellen Mitteilung hieß es, dass die Angehörigen sich bis zum 5. November melden müssten, andernfalls gelte dies als Desinteresse an der Besichtigung des Leichnams.
Die Beerdigung fand am 6. November 1943 auf dem Friedhof in Moringen im Beisein seiner Eltern und Geschwister statt. Sein Grab erhielt die Nummer 112 – eine weitere Nummer in der Reihe vieler namenlos gewordener junger Menschen, die das System des Nationalsozialismus als „asozial“ und „nicht erziehbar“ stigmatisierte. Johann Groß wurde nur 19 Jahre alt.
verfasst von S. P., 2025
Quellen
Akte Johan Groß, Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen
Gespräch mit der Geschwister von Johann Groß am 21.10.2003
LAV NRW R, BR 1111 Nr. 159
Lagerbuch Jugend-KZ Moringen, [1.2.2.1 Listenmat_PP_Ordner_304_Blatt_5-101 [plus Buchdeckel] / [11338619#1 ] / ITS Digital Archive, Arolsen Archives
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