1923-1942
Gewalt | ein besonders gewaltvoller Tod
Biografische Daten
Geboren am 16. Dezember 1923 in Opava.
Gestorben im Moringen am 3. August 1942.
Karl wurde 18 Jahre alt.
Biogramm
Karl Pohl kam am 16. Dezember 1923 in Opava (deutsch: Troppau) im heutigen Tschechien zur Welt. Über sein Leben vor der Haft wissen wir leider nichts. Er wurde am 7. Oktober 1940 in das Jugend-KZ Moringen eingewiesen und wurde am 3. August 1942 überfahren, als er Zwangsarbeit beim Autobahnbau verrichtete. Karl Pohl starb mit nur 18 Jahren.
Die Häftlinge des Jugend-KZ waren jeden Tag zu anstrengender, kräftezerrender Zwangsarbeit gezwungen.
Eines der vielen Arbeitskommandos war der Autobahnbau in der Moringer Umgebung bei Nörten-Hardenberg. Die Häftlinge arbeiteten von 7 Uhr bis 18 Uhr, schippten Kies, luden Waggons mit Baumaterialien aus, bauten die Fundamente der Autobahnbrücke von Hand und mussten ähnliche körperlich schwere Arbeiten verrichten. Die extrem kleinen und nährstoffarmen Essensrationen trugen zur starken Erschöpfung bei und entlohnt wurden die Jugendlichen für ihre Arbeit nicht.
Einige Häftlinge versuchten zu fliehen, wurden aber nach kurzer Zeit wieder eingefangen, mussten brutale Strafen über sich ergehen lassen.
1940 wurden zwei Häftlinge nach Wiedereinfangen im Lager durch Anweisungen der SS-Wachmannschaften von Mithäftlingen so brutal verprügelt, dass einer von ihnen, Wilhelm van Remmen, kurz darauf seinen Verletzungen erlag.
Laut Täterdokumenten soll es sich bei dem tödlichen Unfall von Karl Pohl auch um einen missglückten Fluchtversuch gehandelt haben. Demnach sei er auf Autobahnkilometer 257,8 zwischen Göttingen und Nörten-Hardenberg unerlaubt zwischen Anhänger und Auto getreten und habe versucht während der Anfahrt auf den Wagen zu klettern. Dabei stürzte er aber und wurde überfahren.
Die Jugendlichen, die einen riskanten Fluchtversuch wagten, hatten verzweifelt im Kopf dem Hunger, der harten Zwangsarbeit und der Brutalität der SS-Wachmannschaften zu entkommen. Dabei schätzten sie mögliche Gefahren oft falsch ein, wie der tragische Fall von Karl Pohl zeigt.
Karl wurde zwar noch zur medizinischen Versorgung in das Lagerlazarett gebracht, erlag aber nur eine Stunde nach dem Unfall seinen Verletzungen.
Als Todesursache wurde „Brustquetschung durch Überfahren (Lungenzerreißungen), innere Verblutung (Unglücksfall)“ angegeben.
geschrieben von Joleen Wulkow, 2025
Quellen
Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Hannover, 174 Northeim, Nr. 289 Funksprüche
und Schreiben der Gestapo, Stapoleitstelle Hannover; Abschriften [o. Blattnr.; Exzerpte].
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen, Zeitzeugengespräch Karl Roth KGS Moringen 2000.
Norddeutscher Rundfunk, Als wenn nie etwas gewesen wäre … Reportage, 1991.
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen.
Dokumente
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