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Virtuelles Gedenkbuch
Gedenkstätte Moringen

1926-1945

 

Biografische Daten

Geboren am 26. April 1926 in Črna na Koroškem.

Gestorben am 27. April 1945 in Freiheit in Wolfshagen.

Stanko wurde 19 Jahre alt.

 

Biogramm

 

Stanko Najevnic wurde am 26. April 1926 in Črna na Koroškem (eingedeutsch: Schwarzenbach) im heutigen Slowenien geboren.

Am 1. Dezember 1944 kam er mit zehn weiteren Jugendlichen aus seiner Heimatregion ins Jugend-KZ Moringen. In Moringen waren ab 1943 ca. 100 slowenische Jugendliche aus Kärnten in Österreich und dem heutigen Slowenien wegen der Unterstützung von Partisanen in ihrer Heimat inhaftiert. Stanko und die anderen slowenischen Häftlinge waren politische Häftlinge.

Zur Kindheit und der Familie von Stanko haben wir keine Quellen.

Anfang April 1945 wurden er und ca. 500 andere Häftlinge des Jugend-KZ Moringen auf einen Todesmarsch getrieben. Die Jugendlichen, die zu krank und nicht gehfähig waren, blieben im Lager zurück. Marschiert wurde aufgrund der Fliegerangriffe nachts, während die Häftlinge tagsüber von den begleitenden SS-Männern in leerstehende Gebäude oder Scheunen eingesperrt wurden.
Der Marsch bewegte sich Richtung Harz.
Die erste Station war die Ortschaft Düderode in der Nähe von Seesen. Während einige Jugendliche anschließend nach Lutter am Barenberge transportiert wurden, ging für die anderen der Fußmarsch weiter.
Die folgenden Stationen waren die Orte Wolfshagen, Lochtum und Abbenrode. Rekonstruieren können wir den Marsch durch Erinnerungsberichte von Überlebenden.

Unter ihnen waren Zygfrid Nowak und Wolfgang Kleinhans, die sich an die Strapazen des Marsches erinnern.

Wolfgang Kleinhans erzählte:
„Ja, wir sind nur nachts marschiert. Am Tage durfte uns ja kein Mensch sehen. Der Elendshaufen, der da durch die Gegend zog […]. Und denn dauernd fielen welche um. […] Und die konnten nicht mehr und ich konnte auch nicht mehr. Hier der Novak, der hat mich denn […], der hat mich dann hoch gehoben. Ich hatte solche Blasen, stellen sie sich mal, offene Holzpantinen! Und dann fiel wieder einer um, lautlos fielen die einfach um.“

 Am 8. April 1945 erreichten die Jugendlichen den Ort Wolfshagen im Harz.
Die erschöpften Jugendlichen hatten bereits über 50 km Fußmarsch hinter sich. In Wolfshagen wurden Häftlinge zurückgelassen oder kamen nach der Befreiung am 10. April 1945 dorthin zurück, um Hilfe zu suchen.

Zygfrid Nowak erinnerte sich an die Befreiung:
„Es war wohl um die Mittagszeit, da hörten wir in der Nähe Geschützfeuer. Trotzdem wir alle müde waren, wurden wir alle wach, jemand sagte, dass wir aus der Scheune raus müssen, denn die können uns hier ja zusammenschießen. Wir machten Krach und riefen den Posten, aber keine Antwort erfolgte, so brachen wir das Tor auf. Wir trauten unseren Augen nicht, aber kein Posten war zu sehen. Wir waren alleine, einer schaute auf den andern, ob es wahr ist, dass die Stunde der Freiheit für uns schlug.“

Auch Stanko Najevnic blieb in Wolfshagen oder kehrte dorthin zurück. Nur einen Tag nach seinem 19. Geburtstag starb er laut den Angaben des Sterbebuchs am 27. April 1945 an einer „Vergiftung durch Methylalkohol.“
Über den Grund seines Todes lassen sich nur Vermutungen anstellen – vielleicht hatte er seinen Geburtstag und die wiedergewonnene Freiheit gefeiert, aber sein entkräfteter Körper hatte den Alkohol nicht vertragen.

Stanko wurde auf dem Friedhof in Wolfshagen bestattet. Heute erinnert auf dem Friedhof nichts an ihn, sein Grab wurde eingeebnet.

Am 10. April 2025 veranstaltete die Gedenkstätte anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung eine Rundfahrt zu den Orten des Todesmarsches. Ziel war es an diesen Orten ein Gedenken zu ermöglichen und die Erinnerung wach zu halten.
Die Reise war auch eine Art Spurensuche.
Spuren von Jugendlichen, wie Stanko, die an den Orten des Marsches litten, starben, aber auch die Befreiung er- und überlebten.
Mit Gesprächen, Zitaten sowie einem mobilen Pop-up-Mahnmal erinnerten wir an diese Schicksale. Das Mahnmal bestand aus Holztafeln mit Namen, Fußspuren und einer Gedenktafel, die an jedem Ort abgelegt wurden.

Die Tafeln sind unterschiedlich und farbenfroh gestaltet.
So einzigartig wie auch all die Menschen mit ihrem Charakter, ihren Idealen und Lebensentwürfen waren. Junge Menschen, denen ihre Jugend, ihre Freiheit sowie die Möglichkeit der eigenen Entfaltung durch ein menschenverachtendes System, das Vielfalt als Bedrohung sah, geraubt wurde.

 

Madita Hagen, 2025

 

Quellen

 

ITS Digital Archive, Arolsen Archives, Lagerbuch Jugend-KZ Moringen, [1.2.2.1 Listenmat_ PP_Ordner_304_Blatt_5-101 / [11338619#1].
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen.
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen, Interview/Telefonat zwischen Michael Hepp und Wolfgang Kleinhans, 13.03.1984.
Archiv der KZ-Gedenkstätte Moringen, Korrespondenz zwischen Zygfrid Nowak und Detlev Herbst, 12.09.1982.

 

Dokumente

dokumente.pdf

 

Medien

 

 

 



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